Fledermausschutzprojekt

Hintergrund

Im Rahmen des Artenschutzprojekts „Fledermaus“, das seit 2015 von der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer e.V. (NUVD) im Rahmen der Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) durchgeführt wird, sollen u.a. bestandserhaltende und –fördernde Maßnahmen in der Dümmerregion durchgeführt werden.

Alle in Deutschland lebende Fledermausarten sind gem. §10 BNatschG streng geschützt, die meisten gelten laut Roter Liste Deutschlands als gefährdet und in Niedersachsen sogar die meisten als stark gefährdet. Zudem sind einige Arten wie die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) und die Teichfledermaus (Myotis dasycneme) in Anhang II der FFH-Richtlinie aufgelistet.

Der Bestandsrückgang heimischer Fledermäuse ist der Veränderung unserer Landschaft zuzuschreiben, durch welche für Fledermäuse sowohl Quartiere als auch Lebensräume verloren gehen. So sind der Mangel an Höhlen in alten Baumbeständen sowie moderne Isolation an und in Häusern ein wesentlicher Grund für den Mangel an Quartieren. Auch Insektizideinsatz und Jagdhabitatverlust durch das Fehlen strukturreicher Landschaften (Wildblumenwiesen, Hecken, natürliche Ufervegetation) gefährdet die Artengruppe.

Jede Fledermausart ist in ihren Quartieransprüchen sowie bei der Nahrungszusammensetzung individuell. Um Maßnahmen auf bestimmte Arten abstimmen zu können, ist eine vorherige Bestandserfassung notwendig.

In der Dümmerregion wurden bislang nur wenige Kartierungen durchgeführt, so dass der Fledermausbestand weitestgehend unbekannt war. Für eine Erfassung von Fledermäusen sind Kenntnisse und Erfahrung von Nöten. Da eine Erfassung für Laien nicht wie bei der Vogelkartierung leicht erlernbar ist, ist der Datenbestand für Fledermäuse sehr lückenhaft.

Im Jahr 2015 wurden erste Maßnahmen zur Erfassung des Fledermausbestands und seiner Förderung durchgeführt. Hierzu zählen der fledermausgerechte Ausbau eines Dachstuhls in Lemförde, die Recherche nach vorhandenen Daten sowie die Erfassung eigener Daten mittels Detektoren und Netzfang. Zur Akzeptanzförderung und weiteren Erhebung von Informationen zum Fledermausvorkommen wurde über Exkursionen und Zeitungsberichte Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Wie man bei Fledermausexkursionen feststellen kann, ist das Interesse an Fledermäusen bei den Bürgern groß, das Wissen jedoch gering einzuschätzen. Daher ist die Aufklärung der Bevölkerung ein wichtiger Baustein im Fledermausschutz.

Im Jahr 2015 konnten wir anhand von Detektorbegehungen und Netzfang folgende Arten feststellen:

Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)
Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)
Großes Mausohr (Myotis myotis)
Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
Braunes Langohr (Plecotus auritus)
Große und Kleine Bartfledermaus (Myotis brandtii und Myotis mystacinus)
Breitflügelfledermaus (Eptesicus serrotinus)
Teichfledermaus (Myotis dasycneme)

Konzept

Das Maßnahmenkonzept wurde in enger Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) konzipiert.

Es umfasst die Erfassung der Fledermäuse mittels Detektorbegehungen und Netzfang, sowie die Kontrolle und Bereitstellung von Quartieren.

Durch Öffentlichkeitsarbeit sollen weitere Informationen zum Fledermausvorkommen in der Dümmerniederung gewonnen und mit bereits vorhandenen Daten, welche zudem weiter ausgewertet werden, zusammengeführt werden.

Einen Schwerpunkt soll hierbei die Verbesserung der Datenlage zur Teichfledermaus bilden. An den Zuläufen des Dümmers und weiteren Gewässern in seiner Umgebung sollen Beobachtungen und Detektorbegehungen durchgeführt werden. In den Folgejahren soll an diesen Stellen Netzfang mit anschließender Besenderung erfolgen, um Quartiere nachweisen zu können und diese ggf. zu erweitern. Auch Detektoruntersuchungen von einem Boot aus können in Betracht gezogen werden, um Teichfledermäuse zu erfassen und so nähere Informationen über ihr Vorkommen am Dümmer zu gewinnen und weitere Schutzmaßnahmen darauf abstimmen zu können. Mit diesen Methoden können auch Wochenstubenquartiere anderer Fledermausarten nachgewiesen werden. Nach Auffinden der Quartiere ist ein Schutz individuell anzupassen. Das Vorhandensein von Wochenstuben u.a. von Abendseglern und Rauhautfledermäusen ist als wahrscheinlich einzustufen.

Diese Untersuchung wurde im Jahr 2016 und 2017 auf die Detektorbegehungen, Kastenkontrolle und Quartiersuche beschränkt.

Im Winter und zeitigen Frühjahr werden jährlich am Dümmer und Stemweder Berg vorhandene, jedoch nicht inventarisierte Altbestände von Fledermauskästen Dritter (z.B. Universität Osnabrück) gesucht und ggf. gesäubert bzw. saniert. Alle noch nutzbaren Kästen werden daraufhin kartografisch erfasst. Im Frühling und Sommer werden die Kästen auf Besatz (Art, Geschlecht, Anzahl) kontrolliert.

Auf der Grundlage des fortlaufend ergänzten Datenbestandes werden Lebensraum- und Quartier-verbessernde Maßnahmen konzipiert und umgesetzt. Hierzu steht z.B. ein Keller in Lohne zur Verfügung.

Bisher durchgeführte quartierfördernde Maßnahmen

Aufsuchen und Instandsetzung alter, nicht inventarisierter Fledermauskästen am Dümmer, im Ochsenmoor und im Stemweder Berg.

Der Ameos-Fledermauskasten wurde von Fledermausexperten entworfen und wird in einer forensischen Klinik hergestellt. Diese Fledermauskästen wurden an den 5 Aussichtstürmen (je 2 Stück) am Dümmer, sowie an der Naturschutzstation Hüde und bei Privatpersonen (Selbstzahler durch Sammelbestellung) in der näheren Umgebung angebracht. Die Anbringung wurde von der UNB Landkreis Diepholz und dem Naturpark Dümmer übernommen. Die Firma, welche die Kästen angebracht hat, ist auch für die jährliche Reinigung der Türme zuständig und wird die für Fledermäuse relevanten Zeiten berücksichtigen.

In Lemförde wurde bei der Sanierung und dem Umbau eines alten Fachwerkhauses, in Abstimmung mit dem Bauherrn und durch die Förderung der Bingo-Umweltstifung, ein feldermausfreundlicher Dachboden errichtet. Der Garten des Hauses wurde mit fledermausgeeigneten Pflanzen gestaltet.

Noch durchzuführende quartierfördernde Maßnahmen

Auf einem landwirtschaftlichen Hof in Lohne-Kroge befindet sich ein alter Kartoffelbunker. Die Umgebung ist von einem kleinen Wäldchen, Heckenstrukturen und Rinderweiden umgeben. Dieser Keller wurde uns zur Verfügung gestellt, um hier ein Fledermausquartier herzurichten.

Die AG Biotop- und Eulenschutz am Stemweder Berg e.V. besitzt zwei ehemalige Trafotürme im Gebiet der Gemeinde Hüde, diese sollen kurzfristig ebenfalls zu Fledermausquartieren umgebaut werden.

Aufruf

Wer sich ebenfalls über Möglichkeiten im eigenen Garten, bzw. auf dem eigenen Hof informieren möchten, kann sich gerne bei uns melden.